Koheilan R eine verpasste Chance in der Shagya-Araber-Zucht.

Titelbild: Das Hengstfohlen Koheilan R im vollem Galopp in das Leben.

Ein Blick in den Hengststamm von Koheilan R.

Koheilan R, geb. 2004 a.d. Kelissa, geb. 1994 v. Kamour geb. 1984  geht im Vaterstamm in direkter Linie auf  KOHEILAN ADJUZE  or.ar. geb. 1876  (Importiert 1885) zurück. Koheilan Adjuze or.ar. wurde von Fadlallah el Hedad  beim Beduinenstamm »Anaze el« für Bábolna gekauft.

Bereits durch zwei seiner Söhne spaltete sich der Stamm auf. In die Linien Koheilan I/ IV und Koheilan II. Die Linie über Koheilan I  (in Polen)  – (IV in Bábolna), wurde für die Shagya-Araber von größerer Bedeutung. Über den Einsatz von Koheilan I in Polen kam diese Linie über Yaszmak AV nach Topolcianky. Die Väter von Koheilan R, angefangen mit Koheilan I, nachstehend mit Abstammung und Foto.

Die Linie des Koheilan IV, (AV) geb. 1922 a.d. 10 Gazal-4 , Bábolna in Polen als Koheilan I, (AV) geb. 1922

Über seinen Sohn Yaszmak AV, geb. 1928 a.d. Elegantka AV, gelangte die Linie nach Topolcianky.

Koheilan I, geb. 1942,  v. Yaszmak a.d. 384 Aghil Aga, (Top.)

Koheilan II, geb. 1961, v. Koheilan I  a.d. 632 Shagya VII (Top.) Auf dem Foto ist er 29 Jahre alt.

Heiko, geb. 1972, v. Koheilan II a.d. Reschena 532, geb. 1966 v. Rosen,  Kabiuk

Hassaro, geb. 1986, v. Heiko a.d. Jomayid, geb. 1980  v. Amor (Elite)

Koheilan R, geb. 2004  v. Hassaro a.d. Kelissa geb. 1994  v. Kamour

Nachstehend die Geschichte von Koheilan R

erzählt von Sabine Bomhardt.

Im  »Gestüt Rothenbruch« gab es eine besonders typvolle Shagya-Araber Stute, die jetzt zur Zucht eingesetzt werden sollte. Gedanken zur Anpaarung gab es Viele.

Kelissa, geb. 1994  Vater:  Kamour, geb. 1984 = Vaterstamm: Gazlan or.ar. 1840 (Importiert 1852)  Mutter: Kassaia, geb. 1985=Stutenfamilie: 216 Semrie, or.ar. 1896 (Importiert 1902)

Wenn ein Fohlen geboren werden soll, gehen dem viele Planungen voraus. Der Züchter hat eine Vision, was er in der Zucht verbessern oder festigen möchte. Es wird nach dem passenden Hengst gesucht, viele Pferde besichtigt, Pedigrees studiert und Bücher gewälzt um mehr Wissen zu erlangen. Irgendwann steht der Hengst fest.

Hassaro,  geb. 1986 , Vater:  Heiko, 1972=Vaterstamm: Koheilan Adjuze or.ar. 1876 (Importiert 1885). Mutter: Jomayid, geb. 1980=Stutenfamilie 794 orig. Moldauerin, 1784 Foto bei der Körung 1989 in Darmstadt Kranichstein,

Die Stute wird getupfert, der nächsten Rosse entgegen gefiebert und schließlich wird die Stute zum Hengst gebracht in der Hoffnung, dass sie problemlos tragend wird. Dann folgen 11 Monate voller Träume, Hoffnung und Warten auf ein gesundes Fohlen. So auch bei Koheilan R, der Ostern 2004 auf dem »Gestüt Rothenbruch« das Licht der Welt erblickte.

Der ausdruckstarke Kopf der Stute Kelissa .

Seine Mutter Kelissa von Kamour, aus der Kassaia von O‘Bajar geb. 1994 war kein unbekanntes Pferd in der Welt der Shagya Araber, erfolgreich auf verschiedenen Schauen und bereits Prämienstute des VZAP.

Der Vater war nicht so bekannt. Hassaro, geb. 1986, Körung 1989 in Darmstadt Kranichstein, 1991 eine gute HLP in Marbach abgelegt und anschließend bis zur schweren Klasse in der Dressur gefördert. 

Somit war das Hengstfohlen einer der wenigen, wenn nicht der einzige Shagya-Araber in Deutschland aus dem Koheilan Adjuze or.ar. 1876 Vaterstamm, bei dem beide Eltern auf das Gestüt Bábolna zurück gehen. In der Vaterlinie über Koheilan IV, in der Mutterlinie über Gazal VII. 

Koheilan R wird in Neustadt-Dosse 2004 beim National Championat vom VZAP vorgestellt.

Endlich laufen, einmal über den ganzen Platz toben.

Es reicht noch nicht, nochmal eine Runde.

Wenige Wochen alt ging es nach Neustadt/Dosse zum nationalen Championat , hier konnte sich Koheilan R gegen gute Konkurrenz durchsetzen und das Championat für sich entscheiden. Seine Mutter Kelissa wurde am gleichen Wochenende Klassensiegerin und Reserve-Championesse sowie 2 te in der Prämien-Stutenklasse.

Koheilan R bei der Siegerehrung.

Geschafft,  Mutter und Sohn gehen beide als Sieger vom Platz.

Die nächsten Jahre wuchs Koheilan sorgsam in einer Hengstgruppe im hauseigenen Gestüt auf und wurde dreieinhalbjährig zur Körung 2007 in Aachen vorgestellt. Die Körung konnte er mit einem positiven Urteil verlassen.

Bei der Körveranstaltung des VZAP  in Aachen 2007 wurde Koheilan R gekört.

Körkommission und Publikum begutachten Koheilan R.

Koheilan R,  fährt nun als gekörter Hengst nach Halver zurück.

Danach folgte erst einmal eine Pause, damit der Hengst sich altersgemäß weiterentwickeln konnte.

Die Weidezeit wird von Koheilan R voll genossen.

Schließlich wurde er von der sehr erfahrenen Ausbilderin Liz Tillmann auf seine Karriere als Reitpferd vorbereitet.  Nach Abschluss der Grundausbildung und einer weiteren kleinen Pause ging es in den Ausbildungsstall von Heinrich Brähler zur Vorbereitung  auf die HLP.

Grundausbildung mit Liz Tillmann

Im Ausbildungsstall  wurde Koheilan R in allen Disziplinen gefördert. Leider verletzte sich Koheilan R aber kurz vor der HLP und musste erst einmal wieder nach Hause zurück.   Nachdem die Verletzung auskuriert war, ging es wieder zu Heinrich Brähler. Schließlich konnte Koheilan R 2011 die HLP in Hünfeld mit Traumnoten gewinnen.

Vorbereitung für die HLP Dressur in der Halle.

Über eine Brücke bei der Gelände-Prüfung.

HLP Spring-Parcours.

Koheilan R auf der Gelendestrecke.

Obwohl  Koheilan R  Siegerhengst bei der HLP war,  eine tolle seltene Abstammung hat, gab es von den Züchtern keine Resonanz auf den Hengst.

Stutfohlen Kolibri R,  v. Koheilan R, a.d. Piroschka v. Puschkin,  es steht  jetzt noch als Zuchtstute im Gestüt.

 Im Gestüt wurde ein wunderschönes Stutfohlen aus einer Puschkin Mutter geboren und aus einer englischen Vollblutstute gibt es noch eine prämierte Anglo Araber Stute.

 Da hast du einen tollen Hengst mit guter Qualität, aber leider keine Nachfrage, obwohl die Nachzucht sehr gut ist.  Also wurde der Hengst wieder etwas mehr geritten und auf ein paar Springturnieren vorgestellt.  2014 haben wir den Hengst zur Pacht angeboten, aber irgendwie hatte niemand diese einzigartige Abstammung auf dem Schirm und so hatte Koheilan im Gestüt ein ruhiges Leben auf der Weide.

Koheilan R nun als Freizeitpferd unterwegs.

Der ausdruckstarke Kopf des Koheilan R .

Aber irgendwann werden auch die Züchter älter und wollen oder müssen ihren Bestand reduzieren. Ich habe schon viele Jahre keine Shagya Araber mehr, wurde dann aber bei der Vermittlung von Koheilan R um Hilfe gebeten.

Da ich noch immer viele Kontakte in der Welt der Shagya-Araber habe, haben sich im Laufe der Jahre viele schöne Freundschaften in aller Herren Länder entwickelt.  Einmal Shagya-Araber, dann schlägt dein Herz für immer dafür.  Ich bot Koheilan R nun auf meiner Facebook Seite an und bekam schon nach kurzer Zeit eine Nachricht aus Ungarn von der Familie Steiner, die großes Interesse an Koheilan R hatte.

Als erstes muss ich meiner langjährigen Freundin Christine Wolf danken, die wertvolle Unterstützung bei der Übersetzung und dem ganzen Prozedere geleistet hat.

Nach nur drei Wochen kam die Familie Steiner, die eine große Shagya-Araber und Gidran Zucht in Ungarn betreibt, mit zwei Transportern nach Halver gefahren.  

Moldau, v. Mersuch XIX-68 a.d. Dama, hier noch als Fohlen.

Als Stute ging Moldau mit auf Transport nach Ungarn.

Mitgenommen haben Sie  nicht nur Koheilan R, sondern  auch die Rappstute Moldau um die Zucht in Ungarn zu bereichern. Die Familie Steiner hat viele Pferde, die auf die Koheilan Linie zurück gehen und dafür ist Koheilan R genau der richtige Hengst. Letztendlich ist es eine große Ehre, dass Koheilan R in der Wiege der Shagya-Araber-Zucht noch wirken kann.

Herr Steiner mit Koheilan R in Ungarn.

Ich freue mich auf jeden Fall auf viele Fohlen von Koheilan R in Ungarn und vielleicht findet ja dann auch das eine oder andere Fohlen seinen Weg nach Deutschland.

Zwei blicken hoffnungsvoll in die Zukunft.

Aber es macht auch nachdenklich, wo die Shagya-Araber-Zucht in Deutschland hingeht, ich würde mir wünschen, dass die Züchter sich gegenseitig unterstützen und nicht jeder sein eigenes Ding macht, das schadet der Sache mehr, als dass sie der Rasse nützt.  Auch wenn die Zeiten zum Züchten schwierig sind, so sollte die Rasse wieder mehr gezeigt werden, und das Pferd und nicht der Mensch in den Vordergrund gestellt werden. 

Wünsche und Möglichkeiten?

Die Züchter haben teilweise über Jahrzehnte die Zucht und die Verbände lebendig mit gestaltet und haben sich aktiv beteiligt, wünschenswert wäre, dass die Verbände und auch die ISG den Züchtern bei Aufgabe der Zucht hilfreich zur Seite stehen könnten, damit nicht nur der Genpol, sondern auch die Rasse weiterhin Bestand hat.

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